Was dich in den ersten 90 Tagen erwartet
Der Handelsregistereintrag ist ein Meilenstein — aber er ist nur der Startschuss. Mit dem SHAB-Eintrag (Schweizerisches Handelsamtsblatt) beginnt die Uhr zu laufen: Fristen für AHV-Anmeldung, MWST-Registrierung und Versicherungspflichten.
Das Problem: Die meisten Gründer wissen nicht, was auf sie zukommt. EasyGov endet nach dem Eintrag, der Notar erklärt den Gründungsakt — aber niemand erklärt das Danach. Das Ergebnis: Versäumte Fristen, unerwartete Bussgelder und im schlimmsten Fall rechtliche Konsequenzen.
Was du in den ersten 90 Tagen erledigen musst:
- Woche 1: AHV/SVA anmelden, Betriebskonto eröffnen, Fake-Rechnungen abwehren
- Monat 1: MWST prüfen, Unfallversicherung (UVG), Krankentaggeld (KTG), Haftpflicht
- Monat 2: BVG-Pensionskasse anschliessen (falls Lohn ≥ CHF 22'680)
- Monat 3: Buchhaltungssystem einrichten, Jahresplanung
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Reihenfolge ist alles machbar. Diese Seite führt dich Schritt für Schritt durch alle Pflichten — mit konkreten Fristen, Kosten und Links zu den zuständigen Stellen.
Woche 1: Sofortmassnahmen nach dem HR-Eintrag
Diese drei Punkte solltest du in der ersten Woche nach dem Handelsregistereintrag erledigen. Zwei davon haben harte Fristen, einer schützt dich vor einem sehr häufigen Betrugsversuch.
1. AHV/SVA anmelden — Frist: 3 Monate
Die AHV-Anmeldung ist deine erste und wichtigste Pflicht. Als Arbeitgeber musst du dich innerhalb von 3 Monaten nach dem Handelsregistereintrag bei der zuständigen kantonalen Ausgleichskasse (SVA) anmelden.
Was passiert, wenn du die Frist verpasst? Die SVA kann Beiträge rückwirkend einfordern, einen Zuschlag erheben und bei wiederholten Verstössen straf- und zivilrechtliche Massnahmen einleiten (AHVG Art. 64 ff.).
Wer muss sich anmelden?
- GmbH als Arbeitgeber: Sobald du dir selbst als Geschäftsführer einen Lohn auszahlst oder Angestellte beschäftigst, bist du AHV-pflichtig.
- Einpersonen-GmbH ohne Lohn: Wenn du dir keinen Lohn auszahlst, entfällt die AHV-Pflicht als Arbeitgeber — aber du solltest trotzdem prüfen, ob du als "Nichterwerbstätige Person" AHV-Beiträge leisten musst.
Wie meldest du dich an?
Die Anmeldung erfolgt bei der kantonalen SVA (z.B. SVA Zug, SVA Zürich). Die meisten SVAs bieten Online-Formulare an. Du brauchst: Handelsregisterauszug, UID-Nummer, Angaben zu Lohnzahlungen (geschätzter Jahreslohn).
AHV-Beitragssatz 2026 (total): 10.6% des Bruttolohns (je 5.3% Arbeitgeber + Arbeitnehmer). Dazu kommen ALV (2.2%), IV (1.4%), EO (0.5%), FAK (kantonal ~1.5–2.5%).
Gesamtbelastung Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteil): ca. 13–15% des Bruttolohns, abhängig vom Kanton.
Quelle: AHV/IV/EO-Gesetz, BSV 2026
2. Betriebskonto eröffnen
Deine GmbH ist eine eigene Rechtsperson — sie braucht ein eigenes Bankkonto. Das Kapitaleinzahlungskonto, das du für die Gründung genutzt hast, wird nach dem HR-Eintrag zum normalen Geschäftskonto umgewandelt. Aber du musst die Bank darüber informieren und das Konto aktivieren.
Welche Bank für eine neue GmbH?
Die klassischen Schweizer Banken (UBS, Credit Suisse-Nachfolger, Kantonalbanken) sind bekannt dafür, neue GmbHs abzulehnen oder Wochen für die Kontoeröffnung zu brauchen. Digitale Banken sind schneller:
| Bank | Dauer | Kosten/Monat | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Neon Business | 1–3 Tage | CHF 10–20 | Schnellste Option, einfaches KYC |
| Yapeal | 1–5 Tage | CHF 9–19 | IBAN.ch, Multicard |
| ZKB / Kantonalbank | 1–4 Wochen | CHF 0–30 | Stabil, aber langsam. Ideal für später |
| PostFinance | 5–14 Tage | CHF 15–25 | Weit verbreitet, bekannte Marke |
Wichtig: Privat- und Geschäftsfinanzen niemals mischen. Das ist nicht nur ordnungswidrig — es macht deine Buchhaltung zum Albtraum und kann im Streitfall die beschränkte Haftung der GmbH gefährden.
3. Fake-Rechnungen: Die erste Falle nach der Gründung
⚠️ Achtung: Kurz nach deiner SHAB-Publikation (oft schon nach wenigen Tagen) wirst du Rechnungen von unbekannten Firmen erhalten. Diese sehen aus wie offizielle Behördenrechnungen — sind es aber nicht. Du schuldest ihnen nichts.
Lies mehr dazu in unserem detaillierten Guide: Fake-Rechnungen nach der Gründung — so erkennst und abwehrst du sie.
Monat 1: Versicherungen und MWST
Nach den Sofortmassnahmen folgen im ersten Monat die Versicherungsentscheide. Manche sind obligatorisch, andere dringend empfohlen.
4. MWST prüfen und anmelden
Die Mehrwertsteuer (MWST) ist eines der komplexesten Themen für neue Unternehmen. Hier die wichtigsten Fakten:
| Situation | Was gilt | Was tun |
|---|---|---|
| Jahresumsatz < CHF 100'000 | Keine MWST-Pflicht | Nichts tun — oder freiwillig anmelden (kann vorteilhaft sein) |
| Jahresumsatz ≥ CHF 100'000 | MWST obligatorisch | Innerhalb von 30 Tagen beim ESTV anmelden |
| Umsatz erwartet > CHF 100'000 | Proaktiv anmelden | Bereits vor Überschreitung anmelden (Pflicht sobald Schwelle in Sicht) |
MWST-Steuersätze 2026
- 7.7% Normalsatz — Standardleistungen
- 2.6% Sondersatz — Beherbergungsleistungen (Hotels)
- 2.5% Reduziertester Satz — Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Medikamente
Quelle: ESTV, Mehrwertsteuergesetz MWSTG
Freiwillige MWST-Registrierung
Auch ohne Pflicht kann es sinnvoll sein, sich freiwillig zu registrieren — besonders wenn du viele vorsteuerbelastete Inputs hast (z.B. Investitionen in Ausrüstung) oder mit MWST-pflichtigen Firmen arbeitest. Sprich das mit deinem Treuhänder durch.
Die Anmeldung erfolgt über das ESTV-Onlineportal (www.estv.admin.ch). Du erhältst eine MWST-Nummer und kannst ab dann Vorsteuern geltend machen.
5. UVG — Unfallversicherung
Das Unfallversicherungsgesetz (UVG) schreibt vor, dass alle Arbeitnehmenden gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert sind. Als Arbeitgeber bist du für die UVG-Anmeldung verantwortlich.
- Obligatorisch für Angestellte: Berufsunfall + Nichtberufsunfall (ab 8h Wochenstunden).
- Geschäftsführer GmbH: Freiwillige UVG-Versicherung möglich und empfohlen.
- Anbieter: SUVA (automatisch für viele Branchen), private Versicherungen (AXA, Zurich, Helvetia, Mobiliar) für andere Branchen.
Bitte dich innerhalb der ersten Wochen bei einer Versicherung anzumelden — Rückwirkungen sind möglich, aber teurer.
6. KTG — Krankentaggeld
Das Krankentaggeld (KTG) ist in der Schweiz nicht obligatorisch, aber für GmbHs dringend empfohlen. Das KTG deckt den Lohnausfall, wenn du oder deine Mitarbeitenden krankheitsbedingt ausfallen.
Ohne KTG bist du als Arbeitgeber verpflichtet, bei Krankheit den Lohn für eine gesetzliche Karenzfrist weiterzuzahlen (OR Art. 324a) — danach ist der Schutz weg.
Empfehlung: Kollektive KTG-Versicherung abschliessen, die 720 Taggeldhöhe (80% des Lohns) ab dem 3. Krankheitstag abdeckt. Kosten: ca. CHF 2–4 pro CHF 100 versichertem Monatslohn.
7. Betriebshaftpflicht
Auch nicht obligatorisch, aber für jede professionelle Firma unverzichtbar. Die Betriebshaftpflicht schützt dich, wenn deine Firma einem Dritten durch ihre Tätigkeit Schaden zufügt.
- Betriebshaftpflicht: Schäden die deine Firma im Betrieb verursacht (z.B. Unfall beim Kunden)
- Berufshaftpflicht: Fehler bei der Berufsausübung (z.B. Beratungsfehler, Programmierfehler)
- Produkte-Haftpflicht: Bei physischen Produkten relevant
Kosten: ab CHF 200/Jahr für einfache Betriebshaftpflicht, höher für Berufshaftpflicht (je nach Branche und Deckungssumme).
Monat 2: BVG-Pensionskasse anschliessen
Das BVG (Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge) ist die zweite Säule des Schweizer Sozialversicherungssystems. Als GmbH-Geschäftsführer bist du — anders als Selbständigerwerbende — BVG-pflichtig, sobald du dir einen bestimmten Mindestlohn auszahlst.
| Kennzahl | Wert 2026 |
|---|---|
| Eintrittsschwelle (BVG-Pflicht ab) | CHF 22'680/Jahr Bruttolohn |
| Koordinationsabzug | CHF 26'460/Jahr |
| Versicherter Lohn (Mindest) | CHF 3'675 — CHF 62'475/Jahr |
| Altersgutschriften (je nach Alter) | 7% bis 18% des versicherten Lohns |
Quelle: BVG, BSV 2026
Wie schliesse ich mich einer Pensionskasse an?
Kleine GmbHs schliessen sich typischerweise einer Sammelstiftung an (z.B. AXA Stiftung, Helvetia Sammelstiftung, BVG-Sammelstiftung der Mobiliar). Der Anschluss erfolgt über einen Antrag, die Prämien werden monatlich bezahlt (je hälftig Arbeitgeber + Arbeitnehmer).
Tipp: Wenn du dir keinen oder einen sehr kleinen Lohn auszahlst und stattdessen Dividenden beziehst, fällst du möglicherweise unter die BVG-Eintrittsschwelle. Das kann steuerlich interessant sein — aber hat Auswirkungen auf deine Altersvorsorge. Kläre das mit einem Treuhänder.
Frist
Es gibt keine starre gesetzliche Frist für den BVG-Anschluss — aber: Du bist rückwirkend beitragspflichtig ab dem Zeitpunkt, an dem du die Eintrittsschwelle überschritten hast. Anschluss so früh wie möglich.
Monat 3: Buchhaltung einrichten
Eine GmbH ist nach Obligationenrecht (OR Art. 957 ff.) zur ordentlichen Buchführung verpflichtet — das bedeutet: doppelte Buchhaltung, Jahresabschluss mit Bilanz und Erfolgsrechnung, Aufbewahrungspflicht 10 Jahre.
Deine Optionen
- Selbst mit Software: Bexio, Abacus, AbaNinja, Banana Accounting. Gut für kleine GmbHs mit überschaubaren Transaktionen. Kosten ab CHF 0 (AbaNinja Free) bis CHF 150/Monat (Bexio Pro).
- Treuhandpartner: Empfohlen wenn du keine Zeit oder Erfahrung hast. Kosten: CHF 200–800/Monat je nach Volumen und Anbieter.
- Hybrid: Du führst laufend Buch (Bexio), der Treuhänder prüft und erstellt den Jahresabschluss. Häufigste Lösung für KMUs.
Was du vom ersten Tag an aufbewahren musst
- Alle Rechnungen (eingehend und ausgehend) — 10 Jahre
- Bankauszüge — 10 Jahre
- Verträge — 10 Jahre
- Lohnabrechnungen — 10 Jahre
- Handelsregister- und Gründungsdokumente — dauerhaft
Lohnabrechnung
Wenn du Angestellte beschäftigst (inkl. dich selbst), musst du monatlich Lohnabrechnungen erstellen und die AHV-/ALV-/BVG-Beiträge abrechnen. Die meisten Buchhaltungs-Tools unterstützen das — oder dein Treuhandpartner übernimmt es.
Vollständige Checkliste — erste 90 Tage
Hier ist die vollständige Checkliste in chronologischer Reihenfolge. Drucke sie aus oder speichere sie — du wirst mehrmals darauf zurückkommen.
| Wann | Was | Frist / Pflicht | Zuständige Stelle |
|---|---|---|---|
| Tag 1–7 | AHV/SVA anmelden | 🔴 3 Monate, obligatorisch | Kantonale SVA |
| Tag 1–7 | Betriebskonto aktivieren / eröffnen | 🔴 Sofort | Hausbank oder Neobank |
| Tag 1–14 | Fake-Rechnungen erkennen und ignorieren | ⚠️ Achtung — kein Geld senden | — (SHAB-Monitoring) |
| Woche 2–4 | MWST prüfen und ggf. anmelden | 🟠 30 Tage nach Pflichtüberschreitung | ESTV (estv.admin.ch) |
| Woche 2–4 | UVG-Unfallversicherung abschliessen | 🔴 Obligatorisch bei Angestellten | SUVA oder private Versicherung |
| Woche 2–4 | KTG-Krankentaggeld prüfen | 🟡 Empfohlen | AXA, Zurich, Helvetia, Mobiliar |
| Woche 2–4 | Betriebshaftpflicht abschliessen | 🟡 Empfohlen | Diverse Versicherer |
| Monat 2 | BVG-Pensionskasse anschliessen | 🟠 Obligatorisch ab CHF 22'680 Lohn | Sammelstiftung oder eigene PK |
| Monat 3 | Buchhaltungssystem einrichten | 🔴 Obligatorisch ab Tag 1 | Bexio, AbaNinja oder Treuhänder |
| Laufend | Lohnabrechnungen erstellen | 🔴 Monatlich | Buchhaltungssoftware oder Treuhänder |
| Laufend | Belege sammeln und archivieren | 🔴 10 Jahre Aufbewahrungspflicht | Digital oder physisch |
Häufige Fragen nach der Gründung
Wie lange habe ich nach der GmbH-Gründung Zeit, um die AHV anzumelden?
Du musst dich innerhalb von 3 Monaten nach dem Handelsregistereintrag bei der kantonalen Ausgleichskasse (SVA) anmelden. Diese Frist ist verbindlich — eine verspätete Anmeldung kann zu Bussgeldern und Nachzahlungspflichten führen.
Ab wann ist eine GmbH MWST-pflichtig?
Eine GmbH ist ab einem Jahresumsatz von CHF 100'000 obligatorisch MWST-pflichtig. Wer weniger Umsatz erwartet, kann sich freiwillig registrieren lassen — das ist in manchen Fällen steuerlich vorteilhaft. Die Anmeldung erfolgt über das ESTV-Portal.
Ab wann ist die BVG-Pensionskasse Pflicht für Geschäftsführer?
Geschäftsführer und Angestellte, die ein Jahresgehalt von mindestens CHF 22'680 beziehen, sind BVG-pflichtig (Stand 2026). Als GmbH-Geschäftsführer bist du nicht automatisch als Selbständiger behandelt — du brauchst einen Pensionskassenanschluss.
Welche Versicherungen sind für eine neue GmbH obligatorisch?
Obligatorisch sind: AHV/IV/EO-Beiträge (Arbeitgeber + Arbeitnehmer), UVG (Betriebsunfallversicherung bei Angestellten, freiwillig für Geschäftsführer), BVG (ab CHF 22'680 Jahreslohn). Empfohlen (nicht obligatorisch): KTG (Krankentaggeld), Betriebshaftpflicht, Berufshaftpflicht.
Muss ich als GmbH eine doppelte Buchhaltung führen?
Ja, eine GmbH ist nach OR zur ordentlichen Buchführung (doppelte Buchhaltung) verpflichtet. Das gilt unabhängig von der Grösse. Eine ordentliche Revision ist ab einem Umsatz von CHF 10 Mio. oder 250 Vollzeitstellen erforderlich, darunter reicht eine eingeschränkte Revision — oder ein Opting-out bei kleinen GmbHs.
Was sind Fake-Rechnungen und wie erkenne ich sie?
Nach der SHAB-Publikation (Handelsregister) erhalten viele neue GmbHs Rechnungen für Dienste, die sie nie bestellt haben. Typische Beispiele: "Handelsregister-Erfassung Online", "Unternehmensverzeichnis Eintrag", "Markenüberwachung". Diese sind nicht obligatorisch und kommen von privaten Anbietern die offizielle Behörden imitieren. Zahle niemals ohne vorherige Prüfung.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Fristen und Schwellenwerte können sich ändern. Prüfe aktuelle Werte bei den zuständigen Behörden (SVA, ESTV, BSV) oder konsultiere einen Treuhänder.
Quellen: AHVG, MWSTG, BVG, UVG, OR Art. 324a, OR Art. 957 ff., BSV, ESTV, AHV/IV/EO Beitragssätze 2026.