Rechtsformen in der Schweiz — Der grosse Vergleich

Einzelfirma, GmbH oder AG? Die Wahl der Rechtsform ist eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Gründung. Hier findest du alle Fakten, um die richtige Wahl zu treffen.

14 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026

Die Schweiz kennt verschiedene Rechtsformen für Unternehmen. Für Neugründer sind drei davon relevant: die Einzelfirma, die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und die AG (Aktiengesellschaft). Jede hat eigene Regeln bei Haftung, Kapital, Steuern und Verwaltungsaufwand.

Die richtige Rechtsform hängt von deiner Situation ab: Wie hoch ist dein Startkapital? Gründest du alleine oder im Team? Planst du Investoren aufzunehmen? Wie hoch ist dein Risiko?

Dieser Vergleich gibt dir die Fakten — ohne Verkaufsgespräch, ohne Pauschalaussagen.

Drei Rechtsformen auf einen Blick

Bevor wir ins Detail gehen, hier der schnelle Überblick. Die Einzelfirma ist eine Personengesellschaft, GmbH und AG sind Kapitalgesellschaften. Das hat Auswirkungen auf Haftung, Steuern und Buchführungspflichten.

KriteriumEinzelfirmaGmbHAG
MindestkapitalKein MinimumCHF 20'000CHF 100'000
HaftungUnbeschränkt (Privatvermögen)Beschränkt auf GesellschaftsvermögenBeschränkt auf Gesellschaftsvermögen
HR-EintragAb CHF 100'000 Umsatz PflichtObligatorischObligatorisch
Gründer1 natürliche PersonAb 1 PersonAb 1 Person
SteuernEinkommenssteuer (privat)Gewinnsteuer + DividendenGewinnsteuer + Dividenden
GründungsdauerSofort / wenige Tage2–4 Wochen2–4 Wochen
GründungskostenCHF 0–150CHF 1'500–3'000CHF 3'000–6'000

Einzelfirma (Einzelunternehmen)

Die Einzelfirma ist die einfachste und schnellste Art, in der Schweiz ein Geschäft zu starten. Du bist das Unternehmen — es gibt keine Trennung zwischen Privat- und Geschäftsvermögen.

Vorteile

  • Kein Mindestkapital: Du kannst sofort starten, auch ohne grosse Rücklagen.
  • Minimaler Aufwand: Kein Notar, keine Statuten, keine Gesellschafterversammlung.
  • Volle Kontrolle: Alle Entscheide triffst du alleine — keine Abstimmungen nötig.
  • Einfache Buchhaltung: Unter CHF 500'000 Umsatz genügt eine vereinfachte Buchführung (Milchbüechli).

Nachteile

  • Unbeschränkte Haftung: Du haftest mit deinem gesamten Privatvermögen. Das ist das grösste Risiko.
  • Steuerlich nachteilig ab ~CHF 80'000 Gewinn: Der gesamte Gewinn wird als Einkommen besteuert — progressive Steuersätze schlagen zu.
  • Schwieriger skalierbar: Keine Beteiligungen, keine Investoren, kein Eigenkapital-Ausweis.
  • Name muss Familienname enthalten: Der Firmenname muss deinen Nachnamen beinhalten (z.B. «Müller Consulting»).

Ideal für: Freelancer, Berater, Kleingewerbe, Nebenerwerb — alles, wo das finanzielle Risiko überschaubar ist.

GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)

Die GmbH ist die beliebteste Rechtsform für KMU und Startups. Sie bietet Haftungsschutz bei überschaubarem Kapitalbedarf — der Sweet Spot für die meisten Gründer.

Vorteile

  • Beschränkte Haftung: Nur das Gesellschaftsvermögen haftet — dein Privatvermögen ist geschützt.
  • Steuerliche Optimierung: Trennung von Geschäfts- und Privatvermögen. Lohn + Dividende als Steuerplanungsinstrument.
  • Glaubwürdigkeit: «GmbH» signalisiert Professionalität und Verbindlichkeit.
  • Flexibles Stammkapital: Ab CHF 20'000 — kann bei Bedarf erhöht werden.
  • Mehrere Gesellschafter möglich: Ideal für Gründungen im Team.

Nachteile

  • Gründungskosten: Notar, HR-Eintrag, Beglaubigungen — rechne mit CHF 1'500–3'000 plus Stammkapital.
  • Verwaltungsaufwand: Doppelte Buchhaltung (Bilanz + Erfolgsrechnung), Gesellschafterversammlung, Jahresabschluss.
  • Transparenz: Gesellschafter und Stammanteile sind im Handelsregister öffentlich einsehbar.
  • Übertragung von Anteilen: Erfordert notarielle Beurkundung und Zustimmung der Gesellschafterversammlung.

Ideal für: Startups, Dienstleister, KMU, Gründer-Teams — wer Haftungsschutz braucht, ohne das Kapital einer AG aufzubringen.

AG (Aktiengesellschaft)

Die AG ist die «klassische» Kapitalgesellschaft und eignet sich für grössere Vorhaben, vor allem wenn Investoren oder viele Gesellschafter beteiligt sein sollen.

Vorteile

  • Beschränkte Haftung: Wie die GmbH — Haftung nur mit dem Gesellschaftsvermögen.
  • Anonymität: Aktionäre sind nicht im Handelsregister eingetragen (nur Verwaltungsrat ist öffentlich).
  • Einfache Übertragbarkeit: Aktien können ohne Notar übertragen werden.
  • Investoren-freundlich: Etabliertes Modell für Finanzierungsrunden und Kapitalbeschaffung.
  • Renommee: Die AG geniesst international hohes Ansehen.

Nachteile

  • Hohes Mindestkapital: CHF 100'000 (mindestens CHF 50'000 sofort einbezahlt).
  • Höhere Gründungs- und Verwaltungskosten: Notar, Revisionsstelle (bei grösseren AGs), umfangreichere Publizitätspflichten.
  • Komplexere Organisation: Verwaltungsrat obligatorisch, formalisierte Generalversammlung.

Ideal für: Wachstumsunternehmen mit Investoren, Tech-Startups mit VC-Finanzierung, grössere Firmen mit vielen Beteiligten.

Detailvergleich: Einzelfirma vs. GmbH vs. AG

KriteriumEinzelfirmaGmbHAG
MindestkapitalKeinesCHF 20'000CHF 100'000
HaftungUnbeschränktBeschränktBeschränkt
GründungsdauerSofort2–4 Wochen2–4 Wochen
Gründungskosten (ohne Kapital)CHF 0–150CHF 1'500–3'000CHF 3'000–6'000
Notar erforderlichNeinJaJa
BuchführungspflichtVereinfacht (unter 500k)Doppelte BuchführungDoppelte Buchführung
BesteuerungEinkommenssteuerGewinn- + KapitalsteuerGewinn- + Kapitalsteuer
Gesellschafter im HR sichtbarJa (Inhaber)Ja (alle Gesellschafter)Nein (nur VR)
Anteile übertragbarNicht möglichJa (notariell)Ja (frei)
MWST-PflichtAb CHF 100'000 UmsatzAb CHF 100'000 UmsatzAb CHF 100'000 Umsatz
SozialversicherungSelbständigAngestellt (eigene Firma)Angestellt (eigene Firma)

Steuerliche Unterschiede

Die Besteuerung ist oft der ausschlaggebende Faktor bei der Wahl der Rechtsform. Der Unterschied liegt in der Trennung von Unternehmens- und Privatvermögen.

Einzelfirma: Einkommenssteuer

Der gesamte Gewinn der Einzelfirma wird als persönliches Einkommen besteuert. Bei der progressiven Einkommenssteuer steigt der Steuersatz mit dem Gewinn. Ab ca. CHF 80'000–100'000 Gewinn wird das spürbar teuer.

GmbH / AG: Gewinnsteuer + Dividenden

Bei Kapitalgesellschaften wird der Gewinn auf Unternehmensebene besteuert (Gewinnsteuer, ca. 12–24% je nach Kanton). Ausgeschüttete Dividenden werden zusätzlich beim Gesellschafter als Einkommen besteuert — aber nur zu 50–70% (Teilbesteuerung bei qualifizierter Beteiligung).

Das ergibt ein Steuerplanungsinstrument: Du kannst dir einen marktüblichen Lohn auszahlen (Geschäftsaufwand der GmbH) und den Restgewinn als Dividende beziehen. Die optimale Aufteilung hängt von deinem Kanton und deiner persönlichen Situation ab.

Faustregel: Ab ca. CHF 80'000–120'000 Gewinn lohnt sich die GmbH steuerlich gegenüber der Einzelfirma. Die genaue Grenze hängt vom Kanton ab — ein Steuerberater kann das für deine Situation berechnen.

Welche Rechtsform passt zu dir?

Die Wahl hängt von deiner Ausgangslage ab. Hier eine praxisnahe Orientierung:

Wähle die Einzelfirma, wenn…

  • Du als Freelancer oder Berater alleine arbeitest
  • Dein finanzielles Risiko überschaubar ist
  • Du im Nebenerwerb startest
  • Du unter CHF 80'000 Gewinn erwartest
  • Du so schnell und günstig wie möglich starten willst

Wähle die GmbH, wenn…

  • Du dein Privatvermögen schützen willst
  • Du mit einem Partner gründest
  • Du über CHF 80'000 Gewinn erwartest
  • Du eine professionelle Aussenwirkung brauchst (Kunden, Partner, Banken)
  • Du langfristig wachsen willst

Wähle die AG, wenn…

  • Du externe Investoren planst (VC, Business Angels)
  • Du Anonymität der Gesellschafter brauchst
  • Du ein Mindestkapital von CHF 100'000 aufbringen kannst
  • Du ein grösseres Unternehmen mit mehreren Teilhabern planst

Rechtsform ändern: Ist das möglich?

Ja — und es ist gängiger als viele denken. Das Fusionsgesetz (FusG) regelt die Umwandlung von Rechtsformen. Die häufigsten Wege:

  • Einzelfirma → GmbH: Häufigster Fall. Das Einzelunternehmen wird als Sacheinlage in eine neue GmbH eingebracht. Kosten: CHF 2'000–5'000.
  • GmbH → AG: Typisch bei Wachstum und Investorenaufnahme. Die GmbH wird formwechselnd in eine AG umgewandelt. Das Stammkapital wird zu Aktienkapital.
  • AG → GmbH: Seltener, aber möglich — z.B. wenn die AG-Struktur zu aufwändig ist.

Wichtig: Eine Umwandlung erfordert immer einen Notar und eine Anpassung im Handelsregister. Plane 4–8 Wochen ein.

Häufig gestellte Fragen

Welche Rechtsform ist am günstigsten?

Die Einzelfirma ist bei der Gründung am günstigsten (keine Mindesteinlage, kein Notar nötig, HR-Eintrag erst ab CHF 100'000 Umsatz obligatorisch). Laufend kann die GmbH durch steuerliche Optimierungsmöglichkeiten langfristig günstiger sein.

Kann ich die Rechtsform später ändern?

Ja, eine Umwandlung ist möglich. Einzelfirma → GmbH oder GmbH → AG sind gängige Wege. Die Umwandlung erfordert einen Notar und den Handelsregistereintrag, ist aber ein etablierter Prozess.

Welche Rechtsform empfiehlt sich für Freelancer?

Für Freelancer ist die Einzelfirma der einfachste Start. Ab ca. CHF 80'000–100'000 Umsatz lohnt sich der Wechsel zur GmbH — wegen Haftungsschutz und steuerlicher Trennung von Geschäfts- und Privatvermögen.

Brauche ich für jede Rechtsform eine Revisionsstelle?

Nein. Einzelfirmen und GmbHs/AGs mit weniger als 10 Vollzeitstellen können auf die Revisionsstelle verzichten (sog. Opting-out), wenn alle Gesellschafter zustimmen.


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